Was ist eine Spielgruppe und was bringt sie dem Kind?

In unserem Spielraum am Bach treffen sich Kinder im Alter von etwa 2.5 bis 4 Jahren. Sie verbringen hier mehrere Morgen pro Woche während den 2 Jahren unmittelbar vor dem Kindergarteneintritt. Die Kinder bewegen sich unter Gleichaltrigen und besuchen den Spielraum 2 bis 4 Morgen pro Woche.

Dienstags bis Freitags wird der Spielraum von Helena Bütler und Antonia Mathis betreut. Beide Frauen haben die Ausbildung an der Akademie für anthroposophische Pädagogik absolviert. Der Spielraum am Bach ist privat organisiert und wird durch die monatlichen Elternbeiträge finanziert.

Der Eintritt in eine Spielgruppe verkörpert meistens eine erste Ablösung vom familiären Umfeld. Deshalb ist es uns wichtig, diesen Schritt sorgfältig zu begleiten, damit ein guter Start, ein entspannter Anfang in eine bereichernde Spielgruppenzeit möglich wird . In der Spielgruppenzeit erwirbt sich das Kind im Austausch mit gleichaltrigen Kindern erste Sozialkompetenzen. Unser Spielraum stellt ein Lern- und Erfahrungsfeld dar, der Kinder aus verschiedenen sozialen Schichten und Herkunftsländern zusammenführt und integriert. Dabei werden die Körper- und Bewegungskompetenz sowie die Sprachkompetenz im Freien Spiel gefördert und durch geführte Bewegungsspiele, einem reichen Angebot an Bewegungsmöglichkeiten drinnen und draussen sowie durch geführte rhythmische Singspiele, Verse und Reime unterstützt und vertieft.

Wie arbeiten wir?

Die Erfahrungen, die ein Kind während den ersten Lebensjahren macht, sind prägend. Es ist uns ein Anliegen, den Kindern in unserer Begleitung gerecht zu werden. Deshalb orientieren wir uns an den Bedürfnissen des Einzelnen sowie der ganzen Gruppe. Die Kinder sollen Zeit haben, ihre Erfahrungen zu sammeln und ihre Schritte dann zu machen, wenn sie so weit sind.

In unserer Arbeit tragen wir Sorge zu unserem Umgang miteinander. Das Kind lernt, indem es seine Umgebung nachahmt. Wir achten also darauf, sorgsam und sinnvoll tätig zu sein und ein respektvolles Zusammensein zu leben. Das Nachgeahmte wird vom Kinde im Freien Spiel ausgedrückt. Für das Kind gibt es keine Trennung zwischen Lernen, Spielen und Arbeiten. Im kindlichen Erleben ist es ein und dasselbe.
Durch genügend Zeit und Ruhe sollen die Kinder das spielen dürfen, was sie beschäftigt. Dies fördert eine gesunde Entwicklung. Die Kinder sollen sich drinnen im Spielraum und draussen in unserem Garten frei bewegen können. Dabei helfen Hüpfen, Klettern und Balancieren sich selber einzuschätzen und an Selbstvertrauen zu gewinnen. Wir zwei Leiterinnen, die die Morgen stets gemeinsam begleiten, verhalten uns dabei zurückhaltend. Somit geben wir den Kindern Raum, selbst zu agieren, sich frei zu entfalten, ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen und den Zeitpunkt ihrer Schritte so zu legen, dass sie spüren, dass sie nun innerlich bereit dazu sind.

Den Rahmen für unsere Tätigkeiten mit den Kindern geben die vier Jahreszeiten. Mit ihnen gehen wir, wenn wir mit den Kindern künstlerisch tätig sind, werken oder Feste feiern. Zu Beginn des Spielgruppenjahres im August dreschen wir Weizenkorn, welches wir im vorigen Jahr mit den Kindern gesät, gepflegt und vor den Sommerferien geerntet haben. Mit unserer Handmühle mahlen die Kinder im Spielraum das Korn und daraus backen wir Brötchen. Wenn dann der Herbst mit seiner Fülle Einzug hält, dürfen die Kinder aus ihrem eigenen Garten Gemüse und Früchte mitbringen und wir feiern gemeinsam ein Erntedankfest. Der Abschluss eines Spielgruppenmorgens bildet ein Puppenspiel  welches eingebunden in die Jahreszeiten ist In der oben genannten Erntezeit zum Beispiel streiten sich die Hühnchen „Lotti und Dotti“ in der Geschichte um ein einziges Weizenkorn.
Wir achten darauf, dass wir Kreisläufe schliessen und dass die Kinder sie erfahren können. Und wir wiederholen sie im zweiten Spielgruppenjahr. Somit wird ein Jahr für das Kind überschaubar und es darf sich im zweiten Jahr ans erste zurückerinnern, und vieles nochmals erleben und mit dem Bewusstsein eines Kindes, das nun ein Jahr älter ist, nochmals erleben und vertiefen.
Auch Weihnachten, Ostern und natürlich die Kindergeburtstage feiern wir im Spielraum mit unseren ganz persönlichen Ritualen.

Eingebettet in den Jahreskreislauf trägt die Kinder ein klarer Wochenrhythmus im Spielraum durch die Spielgruppenzeit. Dieser Rhythmus gibt den Kindern einen sicheren Boden und ermöglicht ihnen, sich von den Eltern abzulösen, sich wohl bei uns einzugewöhnen, sich ausgelassen zu bewegen und sich auf immer wiederkehrende Abläufe zu freuen.
An jedem Morgen sind die Kinder nach der Freispielzeit, unserem Reigen und dem darauffolgenden warmen Znüni in einer geführten Sequenz künstlerisch tätig. Nach den Griessschnitten mit Zimtzucker, Kompott und frischen Früchten am Dienstag beispielsweise, kneten die Kinder Teig und backen frische Brötchen. Nach dem Milchreis mit Zimtzucker, Kompott und frischen Früchten am Freitag beispielsweise, malen die Kinder mit den drei Grundfarben rot, gelb und blau auf nassem Papier Nass-in-nass-Bilder. Im Zentrum dieser geführten Tätigkeiten stehen die Sinneseindrücke und das Bilden eines ästhetischem Bewusstsein.

Wir arbeiten vorwiegend mit Naturmaterialien. Um ein paar Beispiele zu nennen: Wir entkernen Mais und stellen daraus Maishalsketten her. Wir knacken Nüsse für unser Znüni. Wir fädeln Herbstgirlanden aus farbigem Laub, Kastanien, eingefärbter Schafwolle und Stäckli her. Die Kinder raspeln weiche Holzrinde, die sich zum Kochen in der Kinderküche eignet. Im Garten finden die Kinder einen Sandkasten, eine Feuerstelle, Beete mit Erdbeeren, Himbeeren Kräutern und Blumen und noch mehr. Und wenn die Schafe im Frühling geschoren werden, waschen wir die Schafwolle und die Kinder staunen über den Geruch und was sich alles in dieser Wolle versteckt. Gräser, Steinchen, Körner und manchmal sogar ein Käferli.

Die Wald- und Wiesenkinder erleben die Jahreszeiten ganz nahe mit. Bei Sonne, Regen oder Schnee bewegen wir uns draussen. Unser Spiel- und Arbeitsplatz ist die Natur. Alle Erscheinungsformen der Natur sprechen ganz direkt die Sinne an. Am Feuer kochen wir unser Zvieri. Wenn es regnet, wird jede Pfütze begeistert ausprobiert. Es wird beobachtet, geklettert, geschlichen, gesammelt, entdeckt, gespielt, Geschichten zugehört….. Pflanzen und Tiere kennengelernt. Kinder die sich viel draussen und in der Natur bewegen, werden auch innerlich beweglicher. Die Natur schenkt uns so viel……